Ich hatte ja vor einigen Monaten schon mal meine Meinung zum Thema “Web 2.0 Sterben” kund getan. Damals wurde das – gerade von den Investoren – noch als völlig unproblematisch gesehen. “Ja, klar. Nicht alle Startups werden es schaffen. Aber wir sind heute in einer viel besseren Position als etwa in 2000. Die Startinvestitionen sind gering, die Burnraten niedrig und die Companies haben klare Erlösmodelle.”
Reality Check
Die meisten Startups haben zwar ein “Erlösmodell” aber eben keine Erlöse, die geeignet wären die (wenn auch “geringen”) Kosten zu decken.
Der Geldhahn ist zugedreht
Auch wenn die Finanzkrise nur geringe direkte Auswirkungen auf die Startupfinanzierung hat, so schlägt doch der psychologische Effekt voll durch. Startups, die innerhalb des letzten Jahres nicht klar gezeigt haben, dass die ein Hockeystick-Wachstum der Besucherzahlen und echte Umsätze generieren können, dürfen kaum auf eine zweite Runde hoffen.
Die gute Nachricht
Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Die vielen Gründungen der letzten zwei Jahren hatten gerade für kleine, etablierte Unternehmen deutliche Nachteile. Während die Nutzerzahlen im Web gerade nicht mehr explosiv wachsen, haben immer mehr Marktteilnehmer die Traffic-Ströme fragmentiert.
Auch wenn die meisten Startups kaum in der Lage waren, mehr als ein paar tausend Uniques pro Tag auf ihre Seiten zu locken, stellte die Masse der Neugründungen zusammen mit der Bloggosphäre eine ernsthafte Konkurrenz um die Nutzer dar.
Beides wird enden!
In der Bloggosphäre erkenne ich deutlich Abwärtstendenzen. Pro Themenbereich werden sich einige gute Blogs etablieren und sich in “qualitative Informationsangebote plus persönlichem Touch” weiterentwickeln. Der Rest fällt irgendwann “hinten runter”. (wir kennen das von der ehemals riesigen Hobby-Affiliate-Szene)
Bei den Startups schafft jede Pleite neuen Raum. Der Wettbewerb um Aufmerksamkeit (PR), Werbebudgets und Besucher wird sich deutlich entspannen und wieder auf weniger Marktteilnehmer verteilen.
Für profitable Unternehmen ist die Startup-Krise der Wachstumshebel
Alles wird gut! Wer gut im Geschäft ist, kann über jedes gescheiterte Startup jubeln. Und das ist keine Schadenfreude! Durch die zahlreichen VC-Investments hatten wir defacto in den letzten Jahren einen Markt, der in grossen Teilen privat-subventioniert war. Und gegen Wettbewerber zu konkurrieren, die nicht profitabel arbeiten müssen, ist eine “sportliche Herausforderung”. Das wird enden! Und zwar schnell! Auch die Verlage werden relativ zügig dazu übergehen, Geldverbrennungsmaschinen wieder einzustellen.
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05.12.2008 um 20:19
Was jetzt passiert überrascht dem Grunde nach niemanden, die Intensität ist aber schon gigantisch.
Wir sind auch gar nicht in einer Gründerkrise oder Internetkrise, wir stehen an der Schwelle zu einer Systemkrise die die Wohlstandsgewinne der letzten 30-50 Jahre eleminieren könnte.
Minus 4% Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig 1,5-3% Arbeitsplatzschwund durch technischen Fortschritt bedeutet neue Arbeitslosigkeit in Höhe von 5,5-7% und das zusätzlich zu den 7.1% die wir schon haben.
Innerhalb eines Jahres.
Das ist keine Web 2.0 Krise, das ist Weltwirtschaftkrise 2.0.
Was Weltwirtschaftskrise heißt sieht man wenn man sich den Chart des Dow Jones von 1929 bis 1932 anschaut. Der ist von 381 auf 41 gefallen, also rund 90%. Kann sich jemand einen Dax Stand von 800 vorstellen?
Ich hoffe, dass die Politik in den kommenden Wochen international die richtigen Weichen stellt. Sonst wird es so schlimm, das können sich nur Leute vorstellen, die Kriege mitgemacht haben.
08.12.2008 um 11:27
Hui .. bei Dir gehts ja gleich wieder richtig zur Sache.
Ich sehe keinen Grund für solche Horrorszenarien. Die Wirtschaft kühlt ab und Unternehmen, die seit Jahren nichts auf die Reihe bekommen, nutzen die “Finanzkrise” als bequeme Ausrede.
Wie Du weisst, kann ich mir nicht mal einen DAX bei 3300 vorstellen.
Wie sah unsere Wette eigentlich nochmal genau aus?